Archiv für Januar 2012

Magdeburg 2012: Nazis und Gegenaktionen

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Am 14.01.2012 marschierten ungefähr 1.100 (Neo)nazis durch die sachsen-anhaltinische Landeshauptstadt Magdeburg. Vorgeblicher Grund für die als „Trauermarsch“ deklarierte Veranstaltung war ein Bombenangriff auf die Stadt im letzten Jahr des zweiten Weltkrieges.

Ausgehend vom Nicolaiplatz im nördlichen Ortsbereich versuchten die (Neo)nazis dabei zunächst über die Lübecker Straße Richtung Bahnhof Magdeburg-Neustadt zu marschieren. Dies gelang aber nur bedingt. Trotz flächendeckender Absperrungen der Polizei war es nämlich einzelnen Gruppen von Gegendemonstrant_innen gelungen die Straße zu blockieren. Den Anfang machte dabei eine Initiative von Menschen, die sich in symbolischer KZ-Häftlingskleidung und einem Transpi mit der Aufschrift „Für das Erinnern“ auf Höhe des Bahnhofs sich den (Neo)nazis entgegensetzen. Etwa eine halbe Stunde wurde der (Neo)naziaufmarsch dadurch aufgehalten. Dann wurde die Blockade polizeilich geräumt.

Die (Neo)nazis marschierten dann weiter über die Gareisstraße Richtung Innenstadt, wurden dort aber ebenfalls durch zwei weitere kleinere Blockaden aufgehalten. Auch hier griff die Polizei ein und räumte.
Inzwischen hatten sich mehrere hundert Menschen auf dem Universitätsgelände versammelt und positionierten sich lautstark gegen die (neo)nazistischen Marschierer. Letztgenannte hatten derweil, begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot, den von ihnen angemeldeten Streckenabschnitt an der Universität erreicht. Wasserwerfer waren inzwischen auf die Gegendemonstrant_innen gerichtet und mehrere Züge der Bereitschaftspolizei an den Absperrgittern postiert, um Blockade zu verhindern. Vereinzelt flogen nun auch Flaschen und Rauchbomben in Richtung des (Neo)naziaufmarsches, konnte jedoch kaum eine Veränderung der Situation herbeiführen. Die (Neo)nazis setzten ihren Zug bis zum Ende weiter fort.

Dennoch bleibt zu bemerken, dass 2012 mehr Menschen für Gegenaktivitäten gegen (neo)nazistischen Marsch sensibilisiert wurden, als in den Jahren zuvor. Mehrere Bündnisse aus der Stadt und dem Umland hatten zu Blockaden bzw. antifaschistischen Aktionen aufgerufen und dadurch mehrere hundert Menschen mobilisiert. Es bleibt zu hoffen das sich dies in den nächsten Jahren fortsetzt und irgendwann ähnliche Erfolge wie in Halbe, Jena, Leipzig oder Dresden gefeiert werden können.

weitere Fotos hier: http://westhavelland.wordpress.com/2012/01/14/magdeburg-2012-nazis-und-gegenaktionen/

Polizeigewalt in Ratzeburg (S-H)

Am Freitag, den 04.11.2011, verprügelten, folterten und schikanierten Polizisten in Ratzeburg (S-H) nachts eine Gruppe Jugendliche. Dieser Vorfall reiht sich ein in eine Geschichte, die sich schon oft in Ratzeburg und Umgebung so oder ähnlich abgespielt hat.
Am oben genannten Abend wurden mehrere Jugendliche von einer Person angegangen und angegriffen. Diese Person forderte auf eine aggressive Art und Weise die Ausweise der Jugendlichen. Diese hatten Angst, dass es nur ein Vorwand wäre, die Geldbörsen zu bekommen und fragten die Person nach ihrem Dienstausweis. Ein Ausweis wurde nicht gezeigt. Die Gruppe wollte sich daraufhin entfernen. In dem Moment wurde die Person handgreiflich, es kam zu Schlägen durch diese und Beleidigungen seitens des, wie sich später herausstellte, Polizisten. Die Person zeigte im Halbdunkel eine Waffe, die verdeutlichen sollte, dass sie von der Polizei sei. Das brutale Verhalten, die Pistole und das Nicht-zeigen-Können des Ausweises und einiges mehr verunsicherte die Jugendlichen derartig, dass sie die Polizei anriefen und versuchten in Sicherheit zu gelangen. Zeitgleich traf eine weitere Person ein, die dem Angreifer eine Taschenlampe gab, mit der die Jugendlichen angegangen werden sollten. Auch hier gab es keinen Grund für die ganze Aktion, sondern verbale Anfeindungen und eine aggressive Sprache. Die Jugendlichen geben an, dass diese Person lallte bzw. sehr undeutlich sprach, sodass sie davon ausgingen, diese sei betrunken. Die von den Betroffenen herbeigerufene Streifen-Polizei unternahm beim Eintreffen nichts, sondern schloss sich den Schikanen an. Dabei werden zwei, rein verbal agierende Jugendliche geschlagen.Die Polizisten ließen von den anderen Jugendlichen ab und widmeten sich einem 16 jährigen Jugendlichen aus der Gruppe. Der Jugendliche wurde zu Boden gedrückt und schmerzhaft, weil mit viel zu festen Handschellen gefesselt, fixiert – dabei kam es zu Schlägen. Danach wurde der Betroffene in den Polizeiwagen gebracht und auf dem Weg zur Wache von einem Beamten weiterhin immer wieder körperlich angegangen. Auf der Wache wurde er zu Boden gestoßen, ein Polizist schnürte ihm die Kapuze seiner Jacke über das Gesicht und würgte ihn dabei. Der Beamte sagte: „Wenn du kotzen musst, kotz dich selber voll.“ Der Jugendliche konnte weder sehen, noch richtig atmen und war die ganze Zeit über mit den Händen auf dem Rücken gefesselt. Auf dem Weg in die Zelle wurde der Betroffene gegen den Kopf getreten, herumgeschubst, an den Haaren über den Boden geschleift und geschlagen. In der Zelle wurde er schliesslich mit Gewalt komplett ausgezogen und ein Bluttest gemacht. Bis zur Entlassung zogen sich die Schikanen dann hin , ohne dass begründet wurde, warum der Jugendliche auf der Wache festgehalten wurde; trotz mehrmaligem Nachfragen. Außerdem wurde er nicht über seine Rechte aufgeklärt und durfte niemanden anrufen.